KEINE BEHANDLUNG

Dezember 6, 2009 von schmecks

 

Antrag abgelehnt! Begründung: „Auf Grund der vorliegenden medizinischen Unterlagen wurde festgestellt, dass das Ihrem Antrag zugrunde liegende Krankheitsbild durch ein Heilverfahren nicht anhaltend gebessert werden kann.“

Es geht um ein Kurheilverfahren. Zu einer Lungenerkrankung kam ein schwerer Herzanfall dazu. Sah nicht sehr gut aus. Notaufnahme, zwei Wochen Spitalsbehandlung. Gerade noch einmal gut gegangen! Das war vor einem Jahr. Wie in solchen Fällen üblich, reichten die behandelnden Spitalsärzte – im konkreten Fall war es das Wiener AKH – sofort einen Antrag auf Reha-Nachbehandlung ein. Für alte Menschen ist die Pensionsversicherung dafür zuständig.

Abwarten und liegen lassen

Ein klarer Fall? Nicht zwischen Wien und Niederösterreich. Der Antrag blieb erst einmal zwei Monate (!) lang liegen und wurde dann kommentarlos abgelehnt. Herzkranke alte Menschen – das ist ein Problem, das sich erfahrungsgemäß von alleine erledigt. In diesem Fall allerdings nicht:  Der Patient ist noch immer am Leben. Er hat sich die für seine Gesundheit so wichtige Reha selbst bezahlt. Denn zum Glück war eine Familie da, die finanziell eingesprungen ist.

Der akute Herztod ist abgewendet, geblieben ist das Lungenleiden. Der Lungenfacharzt stellt einen neuerlichen Antrag. Begründung: Absolut notwendig. Dringend. Ab zum Gutachterarzt. Der schließt sich der Meinung seines Kollegen an.  Alles in Ordnung? Mitnichten! Siehe oben. Keine Besserung zu erwarten. Im Klartext:  Zahlt sich nicht mehr aus. Schmecks!

Amerikanische Verhältnisse

Fragt da jemand von den Bürokraten, wie sich ein kranker Mensch fühlt, dem man ein solches Schreiben mit der Post schickt? Keine Besserung in Aussicht – keine Behandlung. Marsch, marsch, abkratzen! Aber bitte schnell und kostengünstig! Sind bei unserer österreichischen Sozialversicherung tatsächlich bereits „amerikanische Verhältnisse“ eingerissen?

Miese Reiseversicherung

Januar 10, 2009 von schmecks

Schleichwerbung im ORF

 

 

Der ORF, Wien heute, empfiehlt: Werden Sie Urlaubsreporter. „Lassen Sie sich casten!“ rät  Wien- heute-Sunnyboy Markus Pohanka zwischen den aktuellen Wien-Berichten. Zu gewinnen gibt es einen Urlaub von Hofer-Reisen, über den man dann per Yess-Handykamera – natürlich auch von Hofer – berichten darf.

 

Werbung muss im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als Werbung gekennzeichnet sein. Mitten in den 7-Uhr-Nachrichten aus Wien gibt es für eine solche Ankündigung nur ein Wort: Schleichwerbung! Hofer-Reisen hat vermutlich  ordentlich dafür bezahlt.

 

Kleingedrucktes  

 

Soll ich mir von Hofer-Reisen einen Urlaub schenken lassen? Quasi als Wiedergutmachung für meine krankheitshalber versäumte „Traumreise“?  Da könnte ich mir das Geld wieder zurückholen, um das mich die Hofer-Reiseversicherung Cover-Direct beschissen hat. Die akute Erkrankung ließ sich mit etwas Fantasie mit einer vorhandenen chronischen Erkrankung in Zusammenhang bringen. Für solche Fälle gibt es das obligate „Kleingedruckte“: Keine Leistung. Die „chronisch Kranke“, der man die Stornogebühr nicht gutschrieb, die ist schon wieder gesund und reiselustig. Brauchen Sie solche kritischen Ferienreporter?

 

Niedertracht!

 

Wenn man ältere Menschen mit Stornobedingungen ausgrenzt, dann sollte man ihnen keine derartigen  Reiseversicherungen verkaufen. Denn irgendein chronisches Leiden hat man ab einem gewissen Alter bald. Aber eine Stornoversicherung bei der Reisebuchung automatisch mit draufzuschlagen und sich dann mit fadenscheinigen Vorwänden vor einer Leistung zu drücken, das ist in meinen Augen eine Niedertracht.

 

Hofer-Reisen wäre sehr gut beraten, den Versicherungsanbieter zu wechseln. Diese Abzocke spricht sich schnell bei Senioren herum!

 

Doch da die ORF-Schleichwerbung beweist, dass Hofer-Reisen einen gut dotierten Werbeetat hat, ließe sich diese peinliche Panne leicht wieder korrigieren: Wie wäre es mit Reisegutscheinen?  

Abzocke: Reiseversicherung

Januar 8, 2009 von schmecks

Reisen zu Hofer-Preisen

 

Was leisten Reiseversicherungen – oder besser: Was leisten sich Reiseversicherungen? Wenn man die „Schadensabwicklung“ von Hofer-Reisen und ihrer Versicherung Cover-direct unter die Lupe nimmt, dann kann man nur sagen: Hände weg!

 

Der Anlassfall: Mir ist meine Traumreise geplatzt, weil plötzlich und unerwartet ein Gesundheitsproblem auftrat. Zu diesem Zweck hat man eine Versicherung, nicht wahr? Jetzt ist die Reise futsch und die dafür geleistete Anzahlung auch. Doch die Begründung, mit der sich die Versicherung drückte, gibt zu denken: Die akute Erkrankung steht im Zusammenhang mit einer bestehenden chronischen Erkrankung. Deshalb also wollten sie ein Gutachten nach dem anderen! Welcher ältere Mensch hat nicht eine ganze Latte von chronischen Wehwehchen!

 

Abzocke vom Feinsten

 

Und zum Drüberstreuen wurde noch eine Nachzahlung auf die Stornogebühr eingefordert! Das hätte ich doch nie bezahlt, schimpfte meine Freundin. Ich habe bezahlt, weil ich von Hofer-Reisen gleichsam erpresst wurde: Keine Nachzahlung – keine Abrechnungsunterlagen für die Versicherung. Und die drückt sich dann vom Zahlen! Die sind offenbar ein super eingespieltes Team, wenn es ums Abzocken geht!

 

Doch weil man aus jeder Panne bekanntlich etwas für die Zukunft lernen kann, gibt es nur einen Tipp für solche Fälle:

 

Egal, wie schwer die Erkrankung wirklich ist, die Dich zum Verzicht auf eine lang geplante Reise zwingt, lass Dir von Deinem Hausarzt lieber eine schwere Grippe bescheinigen, anstatt den wahren Grund für eine Reiseunfähigkeit zu verraten!

 

Eine ordentliche Rotznasse – das kriegt man auf alle Fälle hin. Und da gibt es sicherlich keinen Zusammenhang mit irgendeiner chronischen Krankheit. Bei meinem Herzanfall gab es das offenbar schon – auch wenn es für mich eine Premiere war, die sich in keiner Weise vorangekündigt hatte. (Siehe: Tako Tsubo)

 

Broken Heart oder Herzinfarkt?

Januar 3, 2009 von schmecks

 

An gebrochenem Herzen starben zu Zeiten von  Hedwig Courts-Mahler verlassene Mägdelein, nachdem der Herzallerliebste sich standesgemäß verheiratet hatte. Gebrochene Herzen traten bei  versetzten und  gedemütigten Ehefrauen auf, während der untreue Ex auf was Jüngeres umgestiegen ist. Weitere Kandidatinnen für ein gebrochenes Herz waren reife Damen, die einem geschäftstüchtigen Gigolo auf den Leim gegangen waren.

 

Eines war klar: An gebrochenem Herzen zu sterben war eine Frauenkrankheit. Dank dem Fortschritt der Medizin – und vor allem Dank der weiblichen Emanzipation – verschwand diese ominöse Krankheit. Und selbst die Herz-Schmerz-Autoren dachten sich andere Lösungen aus, als arme,  hintergangene  Frauen an gebrochenem Herzen sterben zu lassen. Denn das kauften ihnen nicht einmal mehr die treuesten Konsumenten von Telenovelas ab.

 

Mit einem Wort: Das gebrochene Herz hat im modernen Leben ausgedient. Doch siehe da: Auf einmal ist es wieder da, das überholt geglaubte “gebrochene Herz“. Mit dem „Broken-Heart-Symdrom“ feiert es fröhliche Urständ – streng wissenschaftlich untermauert. Und selbst die Zielgruppe, die heutzutage von dieser neuen Herzkrankheit befallen wird, ist mit den Gebrochenen-Herz-Opfern vergangener Tage ident: Es sind vor allem nicht mehr ganz taufrische Frauen.

 

Das moderne „Broken-Heart-Syndrom“ hat noch einen anderen Namen: Tako Tsubo. Ganz offensichtlich hat diesen Namen ein japanischer Forscher ausgewählt, denn die Namensgebung steht bekanntlich dem zu, der eine Krankheit entdeckt. Diese neuartige Herzkrankheit macht dieselben Symptome wie ein Herzinfarkt und sieht auch im EKG und beim Ultraschall genauso aus. Einziger Unterschied: Es ist kein Blutgefäß verstopft. Trotzdem wird ein Teil des Herzens nicht mehr mit Blut versorgt und bläht sich ballonartig auf.

 

Wo kommt das her? Was ist schuld daran? Und wie wird man das Übel wieder los? Zahlenmaterial gibt es vorläufig noch wenig. Denn erst durch die präzisen Untersuchungsmethoden war es überhaupt möglich, diese Erkrankungsform von der Gruppe der Herzinfarkte abzugrenzen. Das macht die Forschungsarbeit schwierig.  Vielleicht ist die Sache gar nicht so neu, und man hat sie bloß nicht erkannt? Hatte die Courts-Mahler doch recht? Bei ihr war ein gebrochenes Herz an der Tagesordnung.

 

Auch bei den möglichen Krankheitsursachen macht man bei den Herz-Schmerz-Geschichten früherer Tage Anleihen. Da vor allem Frauen in der Lebensmitte von der Krankheit betroffen sind, drängt sich – in der  männlichen Sicht der Dinge – der Verdacht auf, die Opfer hätten sich über irgendwas besonders aufgeregt oder sich gekränkt. Und schon ist der Ball bei den Psychologen. Ist die Sache vielleicht doch nicht ganz so ernst wie ein „normaler“ Herzinfarkt?

 

Für uns medizinische Laien klingt „Tako Tsubo“ wie „gedoppelt und gemoppelt“ oder wie eine aktualisierte Form des „Boing-Zisch-Machers“. In Wien hat man für so was den markigen Ausdruck „Schaß mit Quasteln.“ Kommentar: Man muss sich halt von Zeit zu Zeit etwas Neues einfallen lassen, damit man im Gespräch bleibt. Und sei’s ein Tako Tsubo oder Broken Heart Syndrom. Auf alle Fälle ist die Sache äußerst verdächtig. Denkmodell: Des Kaisers neue Kleider. Also besser Hände weg davon.

 

So etwas Ähnliches müssen sich die Krankenkassa-Chefärzte  offenbar auch gedacht haben, als sie vom Wiener AKH einen dringenden Antrag auf Herz-Reha gefaxt bekamen. Diagnose: Tako Tsubo. Gefahr im Verzug. Herzinfarkt-Patienten werden sofort vom Spitalsbett weg mit der Rettung in die Reha-Klinik gebracht. Und im aktuellen Fall? Zuerst zwei Monate liegen lassen, vielleicht erledigt sich die Sache von allein. Doch nicht? Dann soll ein praktischer Arzt als Gutachter darüber urteilen, was der Herr Professor sich da ausgedacht hat.

 

 

 

 

 

 

Halali

September 15, 2008 von schmecks

 

Wo ist Wiesmath? Das klingt so idyllisch. Nach Wiesen und Matten. Nach grüner Natur und Frieden. Ein Blick in die Straßenkarte: Die Südstrecke runter nach Wiener Neustadt, Autobahn, Schnellstraße ins Burgenland. Ein Blick in die Zeitung: „Hundebesitzerin klagt Jäger an: Dogge kaltblütig abgeknallt“ – Nein, weit ist es nicht her mit den Wiesen, Matten, der  grüner Natur und  dem Frieden. Nicht nur in Wiesmath.

 

Mitte September – die heurige Jagdsaison ist eröffnet. Liebe Leute, sperrt eure Hunde ein! Jetzt wird es gefährlich!  Auch wenn ich nicht alles glaube, was die Presse so zum Besten gibt, aber Hunde abknallen, weil sie angeblich Rehe hetzen?  Gegenfrage: Was machen die Jäger mit den Rehen? Erraten: Abknallen. So sich die ihres ursprünglichen Lebensraumes beraubten Wildtiere nicht auf Straßen verirren und – vom Scheinwerferlicht geblendet – für einen „Wildschaden“ sorgen…

 

 Als Ergänzung dazu eine Meldung aus den sonntäglichen Fernseh-Nachrichten: Ein Jäger hielt ein Auto für ein Wildschwein und schoss. Zum Glück hat er den Fahrer nicht erwischt, der hatte nämlich eine Panne und war ausgestiegen. So war nur die Autotür  durchschossen. Nein, das war nicht der Wochenendkrimi im Fernsehen sondern der ganz normale Alltagswahnsinn.

 

Ohne mich mit den „edlen Waidmännern“ nochmals anzulegen – nein danke, das hatte ich schon, ich bin nämlich auch Hundebesitzerin und lebe „am Land“: Mein Hund war bereits einmal ein „bewegtes Ziel“ und ich das Ziel von unflätigen Schimpfkanonaden. Aber die Frage wird doch erlaubt sein: Welchen Stellenwert hat die Jagd in einer ursprünglich ländlichen Region, die immer mehr mit den städtischen Ballungsräumen zusammenwächst? Jagdgebiete dort, wo heute neue Lebensräume für Menschen  entstehen?

 

Leistungsstarke Verkehrswege, schnelle Autos, wachsende Siedlungstätigkeit, dazwischen schrumpfende Grünzonen. Und eine Gruppe von Menschen, die sich mit einem Schießprügel in der Hand für eine Elite hält und das Erbe der Feudalherren seligen Angedenkens aufrecht erhalten will: Das Jagdrecht, das jedem Grundherrn traditionsgemäß zusteht. Darüber sollten wir sprechen. Ganz prinzipiell und möglichst ohne Emotionen. So das angesichts solcher Situationen möglich ist.

 

Denn “Schmecks!” – das ist keine Antwort!

 

 

Sehr geehrte Frau Ministerin

August 30, 2008 von schmecks

Die Dame und ihre Tasche

 

„Ich habe es dem Dieb zu leicht gemacht“ – so die zerknirschte Innenministerin über den frechen Handtaschl-Räuber in einem Wiener Nobel-Lokal. Die Tasche hing am Sessel – no na – wo sonst. Wo stellt man eine Handtasche beim Essen  hin? Auf den Schoß? – da rutscht sie runter.  Auf den Tisch? – da ist sie im Weg. Oder setzt man sich drauf? Oder legt man sie sich ins Kreuz und lehnt sich fest daran? Oder stellt man sie zwischen die Beine auf den Boden? Oder aber: Bitte, Herr Ober, noch einen Sessel  als Ablage.

 

Unser Problem sind unsere Gewohnheiten, die auf der Sicherheit eines kultivierten Landes basieren und nicht auf jenen Vorsichtsmaßnahmen, die uns etwa im Urlaub in einem Dritte-Welt-Land mit markantem Wohlstandsgefälle geläufig sind: Keine Handtaschen, wo alles drinnen ist und  keine Brieftaschen, griffbereit  mit allen Dokumenten. Auf Reisen, da wissen wir es ganz genau: Das sind offene Einladungen,  „sich zu bedienen“. Besonders gilt das für teure Handtaschen, getragen von Ladies, denen man ansieht, dass sich hier ein flinker Griff lohnt.

 

Ein billiges Plastikhandtaschl sticht einem Gauner weniger  ins Auge als eine Designertasche aus Schlangenleder oder Kroko. Eine einfache Frau mit der typischen Körpersprache der Untergebenen bietet sich weniger als Raubopfer an als eine gestylte Dame mit dem entsprechenden Auftreten. Tasche und Trägerin signalisieren: Hier ist was zu holen. Das zahlt sich aus. Nicht umsonst orientieren sich dienstbare Geister aller Art an der Handtasche einer Besucherin. Mit sicherem Instinkt wittern sie: Hier ist eine ordentliche Maut zu erwarten. In teuren Lokalen heißt das mitunter: Keine Tasche – kein Tisch.

 

Seit ich auch bei uns zu Hause so wie auf Reisen keine Brieftasche mehr mit mir herumtrage – die letzte ihrer Art wurde mir bei einem Einkaufbummel aus der verschlossenen Handtasche in einem Wiener  Innenstadt-Geschäft gestohlen – habe ich ein großes Problem: Ich suche ständig irgendetwas. Früher war alles handlich in der Börse: Ausweise, Führerschein, Kreditkarten,  e-card, Klubkarten, Mitgliedskarten, Rabattkarten, Bahnausweis, Wochenkarte – alles übersichtlich in den dafür vorgesehenen Steckfächern. Die ganze Identität eines Menschen zusammen mit dem Bargeld auf einen Griff. Und diesen Griff tat der p.t . Dieb. Ich bekam bei der Kassa einen halb erstickten Schreikrampf, als ich bezahlen wollte. Seither gibt’s keine Handtasche mehr und keine Brieftasche.

 

Als ich kürzlich in der U-Bahn angesichts eines  Schwarzkapplers gerade wieder einmal hektisch  in meinem Seesack zu kramen begann, der seit jenem peinlichen Vorfall die obligate damenhafte Handtasche ersetzt, meinte ein anderer Fahrgast schmunzelnd: „Geben S‘ ein Inserat auf: „Tüchtiger Kleinkrimineller zwecks Fahrkarten-Auffindung gesucht.“

 

Der Seesack ist besser als ein City-Rucksack, der allerdings den Vorteil hat, besser zu tragen zu sein. Einen Seesack trägt man über die Schulter unterm Arm. Vielleicht bekommt man davon irgendeinmal die gewisse schiefe Haltung, dafür erspart man sich das bekannte Rucksack-Dilemma: Von hinten geöffnet und diskret abgestiert, ohne dass man es merkt. Das ist mir leider auch schon passiert. Nur, dass diesmal keine Brieftasche mehr griffbereit zur Verfügung stand: Erschwerte Arbeitsbedingungen für den armen Dieb. 

 

Wobei wir wieder bei der Eingangsfeststellung wären: Unser Problem sind unsere Gewohnheiten, die auf den vertrauten Sicherheiten einer kultivierten Umgebung basieren. Bevor wir in Hinkunft dazu übergehen müssen, uns unsere Kreditkarten so wie im Urlaub in  den bekannt gefährdeten Regionen mit einen Pflaster auf den Bauch zu picken und das Wichtigste in einer Bauchtasche in der Unterhose zu tragen,  während die Tasche nur mehr als Attrappe dient – bevor wir wirklich solche Zustände bei uns in unserem „kultivierten Land“ einreißen lassen, dürfen wir uns bei einem anonymen Dieb bedanken, der diesmal ein prominentes Opfer erwischt hat, unsere Frau Innenministerin. Denn jetzt ist das Problem „amtlich“. Jetzt passiert vielleicht endlich etwas.

 

Sehr geehrte Frau Ministerin, ich hoffe, sie empfinden meine offenen Worte nicht als hohntriefend. Ich kann es Ihnen als anonyme Leidensgefährtin  wirklich nachfühlen, wie Ihnen zumute ist: Mist, verdammter! Zurück bleibt ein Gefühl der ohnmächtigen Wut. Und der Hilflosigkeit. Nur: Sie haben es ein bisserl leichter als wir Normalverbraucher, Sie können etwas tun, um Abhilfe zu schaffen. Kraft Ihres Amtes. Und nicht nur, weil gerade Wahlkampf ist…

 

Herzlichst Ihre

Elisabeth Pühringer

Sozialer Ausverkauf

Juli 25, 2008 von schmecks

Am Prinzip der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung zu rütteln, heißt in den Augen der roten Demagogen, die jahrzehntelang bewährte Sozialpartnerschaft in Frage zu stellen. An der Selbstverwaltung etwas ändern zu wollen, heißt demnach, die Rechte der Arbeitnehmer zu verraten und den Vertretern des Kapitals in die Hände zu arbeiten. Tatsächlich kommen aus der Arbeitgeberecke immer wieder verräterische Signale. Etwa die Pflichtversicherung durch eine Versicherungspflicht zu ersetzen, sowie gleichzeitig –  in einem Aufwaschen - den Dienstgeberbeitrag zur Sozialversicherung abzuschaffen.

Um es klar und deutlich zu sagen: Die Selbstverwaltung der Sozialversicherung zu reformieren, darf nicht bedeuten, dass die Rechte der Versicherten beschnitten werden. Die Pflichtversicherung basiert auf dem Solidaritätsprinzip. Niemand  wird ausgegrenzt, egal, wie hoch das Versicherungsrisiko ist. Der Anspruch auf Versicherungsschutz entsteht automatisch, wenn ein Arbeitnehmer eine Beschäftigung annimmt. Sein Beitrag richtet sich nach seinem Einkommen.

Amerikanische Verhältnisse – nein danke!

Bei der Versicherungspflicht läuft das so wie beim Auto anmelden: Erst der Nachweis einer Versicherung, dann reden wir weiter. Jeder Arbeitnehmer muß bei Arbeitsantritt nachweisen, daß er privat versichert ist. Die Versicherungsprämie richtet sich nach dem Versicherungsrisiko, nicht nach dem Einkommen. Die Arbeitgeber sind fein aus dem Schneider. Jung, gesund und alleinstehend – so sieht der ideale Arbeitnehmer aus.  Ihm wird eingeredet, daß er mit diesem privaten Versicherungsmodell billiger davonkommt. Die hohen Prämien zahlen die Alten und Kranken. Sie kosten ja auch mehr. Die mit dem teuren Familienanhang. Sie sollen auch mehr zahlen. Risikoadäquat.

Kurzsichtig und unsozial

Bleibt die Frage, wie ein  Risikopatient mit geringem Einkommen seiner Versicherungspflicht als Arbeitnehmer nachkommen kann. Im Extremfall müßte er so viel Versicherungsprämie  zahlen, wie er durch seine Arbeit verdienen könnte. Dann hätten wir zwar sanierte Kassen, aber eine explodierende Zahl von Sozialfällen, für die der Staat aufkommen muss. Und das zahlen wir alle. Auch jene jungen und (noch) gesunden Arbeitnehmer, die sich von einer solchen Systemumstellung Vorteile versprechen. 

Wir sollten den Mut aufbringen, mit den Auswüchsen der Selbstverwaltung aufzuräumen, anstatt das bewährte System der Pflichtversicherung zu gefährden.

Teile und herrsche!

Juli 24, 2008 von schmecks

“Das ist alles sehr kompliziert!” Das war der Marken-Sager von Alt-Kanzler Fred Sinowatz. Das Gegenteil von kompliziert ist einfach. Zum Thema Selbstverwaltung der Sozialversicherung. Das Hauptargument dafür: Näher am Bürger, denn die verwalteteten Mitglieder verwalten sich selbst. Also kostengünstig. Das würde zweifellos stimmen, wenn alle Funktionäre ihre Tätigkeit ehrenamtlich verrichteten. Neben ihrem Broterwerb. Als Dienst an der Gemeinschaft. Einige tun das ja wirklich. Kleine Funktionäre. Gegen Spesenersatz. Doch einige andere bekommen diesen Spesenersatz pauschaliert. Entsprechend nach oben gerundet. Ist das jetzt ein Gehalt? Aber woher! Es geht immer noch um Spesen. Auch wenn diese “Entschädigung” wie ein Gehalt 14 x pro Jahr ausbezahlt wird. Urlaubsgeld-Spesen, Weihnachtsgeld-Spesen. Daß ein Spesenersatz nach Funktionen abgestaffelt ist, was ist daran verwunderlich? Große Verantwortung – große Spesen. Abgerechnet wie ein normales Gehalt. Halt ein ehrenamtliches Gehalt. Und das besonders Fiese dabei: Die kleinen Partei- und Kammerfunktionäre, die sich die Haken ablaufen und  für ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der Sozialversicherung wirklich nur Sitzungsgeld und Fahrkostenpauschale bekommen, müssen gegenüber den Kritikern aus den eigenen Reihen das System der Selbstverwaltung verteidigen. Denn sie sind es, die den persönlichen Kontakt zu den einzelnen Bürgern haben. Sie sind es, die sich wehren müssen gegen den Vorwurf der Spesenritterei. Das ist alles sehr kompliziert? Nein, es ist ganz einfach. Diesem Prinzip haben schon die alten Römer  gehuldigt. Es heißt: Teile und herrsche.

Versicherungsvertreter

Juli 23, 2008 von schmecks

Fallen Ihnen bei dem Wort “Versicherungsvertreter” sofort jene unangenehmen Zeitgenossen ein, die ungebeten plötzlich auftauchen, den Fuß in die Tür stellen und einem irgendeine eine Versicherung aufschwatzen? Um diese netten Herrschaften geht es diesmal nicht, sondern um noch viel nettere: um die Versicherungsvertreter in der Selbstverwaltung der Sozialversicherung. Dem Gründergeist nach sollten sie die Versicherten vertreten, und daher kommen sie auch aus ihren Reihen: Die Arbeitnehmervertreter aus Arbeiterkammer und Gewerkschaft, die Arbeitgebervertreter aus der Wirtschaftskammer. Bei  ”roten” Versicherungsträgern – wie etwa der Wiener Gebietskrankenkasse – gibt es eine rote Mehrheit. In “schwarzen” – erraten – ist es umgekehrt. Was dabei herauskommt, wird genau so ausgepackelt, wie das halt in Koalitionen üblich ist. Die große Koalition am Regierungsbankerl kann nicht mehr miteinander. Es reicht! Nichts geht mehr! Um diesen Stillstand zu ändern, gibt es Neuwahlen – und jeder hofft, dass dabei für ihn etwas besseres als bisher herauskommt. Als gelernter Österreicher weiß man allerdings: Unterm Strich bleibt alles, wie es zuvor war: Zwei Große, die streiten. In der “selbstverwalteten” Sozialversicherung ist es ähnlich. Nur daß hier rot und schwarz nicht gewählt, sondern exakt nach Proporz “delegiert”werden. Ist der drohende Konkursantrag der Wiener Gebietskrankenkasse so ähnlich zu sehen wie Faymanns Leserbrief an die Kronenzeitung? Und wer sagt jetzt: Es reicht? Doch vermutlich gibt es nur eine einzige, klare Antwort: Schmecks!

Selbstzweck Selbstverwaltung

Juli 22, 2008 von schmecks

Friede mit der Gewerkschaft und keine Kriegserklärung an die teure Selbstverwaltung der Sozialversicherung. So will Werner Faymann die Genossen hinter seiner Fahne versammeln und die Wahl gewinnen. Die Spitzengewerkschafter dürfen wieder ins Parlament einziehen, und ihre Luxus-Pfründen bei der Sozialversicherung wird ihnen auch in Zukunft keiner streitig machen. Und keiner fragt, wie das ein Einzelner schafft, drei Spitzenjobs auch tatsächlich auszufüllen. Die Selbstverwaltung – das war ursprünglich eine tolle Idee: Selbstverwaltung heißt, die Versicherten verwalten ihre Sozialversicherung selber. Was einst als Sicherheit gegen staatliche Eingriffe (und Übergriffe) gedacht war, entpuppte sich schnell als die Geburtsstunde der Multifunktionäre. Da ist beispielsweise ein tüchtiger Betriebsrat. Weil er so gut ist, steigt er in der gewerkschaftlichen  Hierarchie auf. Weil er so gut ist, bekommt er den Job in der Selbstverwaltung der Sozialversicherung. Weil er so gut ist, zieht er ins Parlament ein. Kommt er bei diesen vielen Funktionen überhaupt noch dazu, “gut” zu sein? Drei Spitzengehälter – das ist ja eine feine Sache, aber kann man sich bei der Arbeit dreiteilen? Oder bleibt da vielleicht doch irgendetwas auf der Strecke? Die Sozialversicherung ist pleite, den Krankenkassen droht der Konkurs. Es muß gespart werden. Wie und wo? Natürlich bei den Leistungen für die Versicherten, die sich nicht wehren können. Einst zum Schutz der Versicherten eingeführt, ist die Selbstverwaltung längst zum Selbstzweck geworden. Und für lästige Kritiker gibt es nur eine Antwort: Schmecks!