Halali

September 15, 2008 by schmecks

 

Wo ist Wiesmath? Das klingt so idyllisch. Nach Wiesen und Matten. Nach grüner Natur und Frieden. Ein Blick in die Straßenkarte: Die Südstrecke runter nach Wiener Neustadt, Autobahn, Schnellstraße ins Burgenland. Ein Blick in die Zeitung: „Hundebesitzerin klagt Jäger an: Dogge kaltblütig abgeknallt“ – Nein, weit ist es nicht her mit den Wiesen, Matten, der  grüner Natur und  dem Frieden. Nicht nur in Wiesmath.

 

Mitte September - die heurige Jagdsaison ist eröffnet. Liebe Leute, sperrt eure Hunde ein! Jetzt wird es gefährlich!  Auch wenn ich nicht alles glaube, was die Presse so zum Besten gibt, aber Hunde abknallen, weil sie angeblich Rehe hetzen?  Gegenfrage: Was machen die Jäger mit den Rehen? Erraten: Abknallen. So sich die ihres ursprünglichen Lebensraumes beraubten Wildtiere nicht auf Straßen verirren und – vom Scheinwerferlicht geblendet - für einen „Wildschaden“ sorgen…

 

 Als Ergänzung dazu eine Meldung aus den sonntäglichen Fernseh-Nachrichten: Ein Jäger hielt ein Auto für ein Wildschwein und schoss. Zum Glück hat er den Fahrer nicht erwischt, der hatte nämlich eine Panne und war ausgestiegen. So war nur die Autotür  durchschossen. Nein, das war nicht der Wochenendkrimi im Fernsehen sondern der ganz normale Alltagswahnsinn.

 

Ohne mich mit den „edlen Waidmännern“ nochmals anzulegen – nein danke, das hatte ich schon, ich bin nämlich auch Hundebesitzerin und lebe „am Land“: Mein Hund war bereits einmal ein „bewegtes Ziel“ und ich das Ziel von unflätigen Schimpfkanonaden. Aber die Frage wird doch erlaubt sein: Welchen Stellenwert hat die Jagd in einer ursprünglich ländlichen Region, die immer mehr mit den städtischen Ballungsräumen zusammenwächst? Jagdgebiete dort, wo heute neue Lebensräume für Menschen  entstehen?

 

Leistungsstarke Verkehrswege, schnelle Autos, wachsende Siedlungstätigkeit, dazwischen schrumpfende Grünzonen. Und eine Gruppe von Menschen, die sich mit einem Schießprügel in der Hand für eine Elite hält und das Erbe der Feudalherren seligen Angedenkens aufrecht erhalten will: Das Jagdrecht, das jedem Grundherrn traditionsgemäß zusteht. Darüber sollten wir sprechen. Ganz prinzipiell und möglichst ohne Emotionen. So das angesichts solcher Situationen möglich ist.

 

Denn “Schmecks!” - das ist keine Antwort!

 

 

Sehr geehrte Frau Ministerin

August 30, 2008 by schmecks

Die Dame und ihre Tasche

 

„Ich habe es dem Dieb zu leicht gemacht“ – so die zerknirschte Innenministerin über den frechen Handtaschl-Räuber in einem Wiener Nobel-Lokal. Die Tasche hing am Sessel – no na – wo sonst. Wo stellt man eine Handtasche beim Essen  hin? Auf den Schoß? – da rutscht sie runter.  Auf den Tisch? – da ist sie im Weg. Oder setzt man sich drauf? Oder legt man sie sich ins Kreuz und lehnt sich fest daran? Oder stellt man sie zwischen die Beine auf den Boden? Oder aber: Bitte, Herr Ober, noch einen Sessel  als Ablage.

 

Unser Problem sind unsere Gewohnheiten, die auf der Sicherheit eines kultivierten Landes basieren und nicht auf jenen Vorsichtsmaßnahmen, die uns etwa im Urlaub in einem Dritte-Welt-Land mit markantem Wohlstandsgefälle geläufig sind: Keine Handtaschen, wo alles drinnen ist und  keine Brieftaschen, griffbereit  mit allen Dokumenten. Auf Reisen, da wissen wir es ganz genau: Das sind offene Einladungen,  „sich zu bedienen“. Besonders gilt das für teure Handtaschen, getragen von Ladies, denen man ansieht, dass sich hier ein flinker Griff lohnt.

 

Ein billiges Plastikhandtaschl sticht einem Gauner weniger  ins Auge als eine Designertasche aus Schlangenleder oder Kroko. Eine einfache Frau mit der typischen Körpersprache der Untergebenen bietet sich weniger als Raubopfer an als eine gestylte Dame mit dem entsprechenden Auftreten. Tasche und Trägerin signalisieren: Hier ist was zu holen. Das zahlt sich aus. Nicht umsonst orientieren sich dienstbare Geister aller Art an der Handtasche einer Besucherin. Mit sicherem Instinkt wittern sie: Hier ist eine ordentliche Maut zu erwarten. In teuren Lokalen heißt das mitunter: Keine Tasche – kein Tisch.

 

Seit ich auch bei uns zu Hause so wie auf Reisen keine Brieftasche mehr mit mir herumtrage – die letzte ihrer Art wurde mir bei einem Einkaufbummel aus der verschlossenen Handtasche in einem Wiener  Innenstadt-Geschäft gestohlen - habe ich ein großes Problem: Ich suche ständig irgendetwas. Früher war alles handlich in der Börse: Ausweise, Führerschein, Kreditkarten,  e-card, Klubkarten, Mitgliedskarten, Rabattkarten, Bahnausweis, Wochenkarte – alles übersichtlich in den dafür vorgesehenen Steckfächern. Die ganze Identität eines Menschen zusammen mit dem Bargeld auf einen Griff. Und diesen Griff tat der p.t . Dieb. Ich bekam bei der Kassa einen halb erstickten Schreikrampf, als ich bezahlen wollte. Seither gibt’s keine Handtasche mehr und keine Brieftasche.

 

Als ich kürzlich in der U-Bahn angesichts eines  Schwarzkapplers gerade wieder einmal hektisch  in meinem Seesack zu kramen begann, der seit jenem peinlichen Vorfall die obligate damenhafte Handtasche ersetzt, meinte ein anderer Fahrgast schmunzelnd: „Geben S‘ ein Inserat auf: „Tüchtiger Kleinkrimineller zwecks Fahrkarten-Auffindung gesucht.“

 

Der Seesack ist besser als ein City-Rucksack, der allerdings den Vorteil hat, besser zu tragen zu sein. Einen Seesack trägt man über die Schulter unterm Arm. Vielleicht bekommt man davon irgendeinmal die gewisse schiefe Haltung, dafür erspart man sich das bekannte Rucksack-Dilemma: Von hinten geöffnet und diskret abgestiert, ohne dass man es merkt. Das ist mir leider auch schon passiert. Nur, dass diesmal keine Brieftasche mehr griffbereit zur Verfügung stand: Erschwerte Arbeitsbedingungen für den armen Dieb. 

 

Wobei wir wieder bei der Eingangsfeststellung wären: Unser Problem sind unsere Gewohnheiten, die auf den vertrauten Sicherheiten einer kultivierten Umgebung basieren. Bevor wir in Hinkunft dazu übergehen müssen, uns unsere Kreditkarten so wie im Urlaub in  den bekannt gefährdeten Regionen mit einen Pflaster auf den Bauch zu picken und das Wichtigste in einer Bauchtasche in der Unterhose zu tragen,  während die Tasche nur mehr als Attrappe dient – bevor wir wirklich solche Zustände bei uns in unserem „kultivierten Land“ einreißen lassen, dürfen wir uns bei einem anonymen Dieb bedanken, der diesmal ein prominentes Opfer erwischt hat, unsere Frau Innenministerin. Denn jetzt ist das Problem „amtlich“. Jetzt passiert vielleicht endlich etwas.

 

Sehr geehrte Frau Ministerin, ich hoffe, sie empfinden meine offenen Worte nicht als hohntriefend. Ich kann es Ihnen als anonyme Leidensgefährtin  wirklich nachfühlen, wie Ihnen zumute ist: Mist, verdammter! Zurück bleibt ein Gefühl der ohnmächtigen Wut. Und der Hilflosigkeit. Nur: Sie haben es ein bisserl leichter als wir Normalverbraucher, Sie können etwas tun, um Abhilfe zu schaffen. Kraft Ihres Amtes. Und nicht nur, weil gerade Wahlkampf ist…

 

Herzlichst Ihre

Elisabeth Pühringer

Sozialer Ausverkauf

Juli 25, 2008 by schmecks

Am Prinzip der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung zu rütteln, heißt in den Augen der roten Demagogen, die jahrzehntelang bewährte Sozialpartnerschaft in Frage zu stellen. An der Selbstverwaltung etwas ändern zu wollen, heißt demnach, die Rechte der Arbeitnehmer zu verraten und den Vertretern des Kapitals in die Hände zu arbeiten. Tatsächlich kommen aus der Arbeitgeberecke immer wieder verräterische Signale. Etwa die Pflichtversicherung durch eine Versicherungspflicht zu ersetzen, sowie gleichzeitig -  in einem Aufwaschen - den Dienstgeberbeitrag zur Sozialversicherung abzuschaffen.

Um es klar und deutlich zu sagen: Die Selbstverwaltung der Sozialversicherung zu reformieren, darf nicht bedeuten, dass die Rechte der Versicherten beschnitten werden. Die Pflichtversicherung basiert auf dem Solidaritätsprinzip. Niemand  wird ausgegrenzt, egal, wie hoch das Versicherungsrisiko ist. Der Anspruch auf Versicherungsschutz entsteht automatisch, wenn ein Arbeitnehmer eine Beschäftigung annimmt. Sein Beitrag richtet sich nach seinem Einkommen.

Amerikanische Verhältnisse - nein danke!

Bei der Versicherungspflicht läuft das so wie beim Auto anmelden: Erst der Nachweis einer Versicherung, dann reden wir weiter. Jeder Arbeitnehmer muß bei Arbeitsantritt nachweisen, daß er privat versichert ist. Die Versicherungsprämie richtet sich nach dem Versicherungsrisiko, nicht nach dem Einkommen. Die Arbeitgeber sind fein aus dem Schneider. Jung, gesund und alleinstehend - so sieht der ideale Arbeitnehmer aus.  Ihm wird eingeredet, daß er mit diesem privaten Versicherungsmodell billiger davonkommt. Die hohen Prämien zahlen die Alten und Kranken. Sie kosten ja auch mehr. Die mit dem teuren Familienanhang. Sie sollen auch mehr zahlen. Risikoadäquat.

Kurzsichtig und unsozial

Bleibt die Frage, wie ein  Risikopatient mit geringem Einkommen seiner Versicherungspflicht als Arbeitnehmer nachkommen kann. Im Extremfall müßte er so viel Versicherungsprämie  zahlen, wie er durch seine Arbeit verdienen könnte. Dann hätten wir zwar sanierte Kassen, aber eine explodierende Zahl von Sozialfällen, für die der Staat aufkommen muss. Und das zahlen wir alle. Auch jene jungen und (noch) gesunden Arbeitnehmer, die sich von einer solchen Systemumstellung Vorteile versprechen. 

Wir sollten den Mut aufbringen, mit den Auswüchsen der Selbstverwaltung aufzuräumen, anstatt das bewährte System der Pflichtversicherung zu gefährden.

Teile und herrsche!

Juli 24, 2008 by schmecks

“Das ist alles sehr kompliziert!” Das war der Marken-Sager von Alt-Kanzler Fred Sinowatz. Das Gegenteil von kompliziert ist einfach. Zum Thema Selbstverwaltung der Sozialversicherung. Das Hauptargument dafür: Näher am Bürger, denn die verwalteteten Mitglieder verwalten sich selbst. Also kostengünstig. Das würde zweifellos stimmen, wenn alle Funktionäre ihre Tätigkeit ehrenamtlich verrichteten. Neben ihrem Broterwerb. Als Dienst an der Gemeinschaft. Einige tun das ja wirklich. Kleine Funktionäre. Gegen Spesenersatz. Doch einige andere bekommen diesen Spesenersatz pauschaliert. Entsprechend nach oben gerundet. Ist das jetzt ein Gehalt? Aber woher! Es geht immer noch um Spesen. Auch wenn diese “Entschädigung” wie ein Gehalt 14 x pro Jahr ausbezahlt wird. Urlaubsgeld-Spesen, Weihnachtsgeld-Spesen. Daß ein Spesenersatz nach Funktionen abgestaffelt ist, was ist daran verwunderlich? Große Verantwortung - große Spesen. Abgerechnet wie ein normales Gehalt. Halt ein ehrenamtliches Gehalt. Und das besonders Fiese dabei: Die kleinen Partei- und Kammerfunktionäre, die sich die Haken ablaufen und  für ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der Sozialversicherung wirklich nur Sitzungsgeld und Fahrkostenpauschale bekommen, müssen gegenüber den Kritikern aus den eigenen Reihen das System der Selbstverwaltung verteidigen. Denn sie sind es, die den persönlichen Kontakt zu den einzelnen Bürgern haben. Sie sind es, die sich wehren müssen gegen den Vorwurf der Spesenritterei. Das ist alles sehr kompliziert? Nein, es ist ganz einfach. Diesem Prinzip haben schon die alten Römer  gehuldigt. Es heißt: Teile und herrsche.

Versicherungsvertreter

Juli 23, 2008 by schmecks

Fallen Ihnen bei dem Wort “Versicherungsvertreter” sofort jene unangenehmen Zeitgenossen ein, die ungebeten plötzlich auftauchen, den Fuß in die Tür stellen und einem irgendeine eine Versicherung aufschwatzen? Um diese netten Herrschaften geht es diesmal nicht, sondern um noch viel nettere: um die Versicherungsvertreter in der Selbstverwaltung der Sozialversicherung. Dem Gründergeist nach sollten sie die Versicherten vertreten, und daher kommen sie auch aus ihren Reihen: Die Arbeitnehmervertreter aus Arbeiterkammer und Gewerkschaft, die Arbeitgebervertreter aus der Wirtschaftskammer. Bei  ”roten” Versicherungsträgern - wie etwa der Wiener Gebietskrankenkasse - gibt es eine rote Mehrheit. In “schwarzen” - erraten - ist es umgekehrt. Was dabei herauskommt, wird genau so ausgepackelt, wie das halt in Koalitionen üblich ist. Die große Koalition am Regierungsbankerl kann nicht mehr miteinander. Es reicht! Nichts geht mehr! Um diesen Stillstand zu ändern, gibt es Neuwahlen - und jeder hofft, dass dabei für ihn etwas besseres als bisher herauskommt. Als gelernter Österreicher weiß man allerdings: Unterm Strich bleibt alles, wie es zuvor war: Zwei Große, die streiten. In der “selbstverwalteten” Sozialversicherung ist es ähnlich. Nur daß hier rot und schwarz nicht gewählt, sondern exakt nach Proporz “delegiert”werden. Ist der drohende Konkursantrag der Wiener Gebietskrankenkasse so ähnlich zu sehen wie Faymanns Leserbrief an die Kronenzeitung? Und wer sagt jetzt: Es reicht? Doch vermutlich gibt es nur eine einzige, klare Antwort: Schmecks!

Selbstzweck Selbstverwaltung

Juli 22, 2008 by schmecks

Friede mit der Gewerkschaft und keine Kriegserklärung an die teure Selbstverwaltung der Sozialversicherung. So will Werner Faymann die Genossen hinter seiner Fahne versammeln und die Wahl gewinnen. Die Spitzengewerkschafter dürfen wieder ins Parlament einziehen, und ihre Luxus-Pfründen bei der Sozialversicherung wird ihnen auch in Zukunft keiner streitig machen. Und keiner fragt, wie das ein Einzelner schafft, drei Spitzenjobs auch tatsächlich auszufüllen. Die Selbstverwaltung - das war ursprünglich eine tolle Idee: Selbstverwaltung heißt, die Versicherten verwalten ihre Sozialversicherung selber. Was einst als Sicherheit gegen staatliche Eingriffe (und Übergriffe) gedacht war, entpuppte sich schnell als die Geburtsstunde der Multifunktionäre. Da ist beispielsweise ein tüchtiger Betriebsrat. Weil er so gut ist, steigt er in der gewerkschaftlichen  Hierarchie auf. Weil er so gut ist, bekommt er den Job in der Selbstverwaltung der Sozialversicherung. Weil er so gut ist, zieht er ins Parlament ein. Kommt er bei diesen vielen Funktionen überhaupt noch dazu, “gut” zu sein? Drei Spitzengehälter - das ist ja eine feine Sache, aber kann man sich bei der Arbeit dreiteilen? Oder bleibt da vielleicht doch irgendetwas auf der Strecke? Die Sozialversicherung ist pleite, den Krankenkassen droht der Konkurs. Es muß gespart werden. Wie und wo? Natürlich bei den Leistungen für die Versicherten, die sich nicht wehren können. Einst zum Schutz der Versicherten eingeführt, ist die Selbstverwaltung längst zum Selbstzweck geworden. Und für lästige Kritiker gibt es nur eine Antwort: Schmecks!

Wen soll ich wählen?

Juli 21, 2008 by schmecks

Nein, ich bin nicht politikverdrossen! Doch ich habe ein  Problem mit der aktuellen österreichischen Politik und dem Wahlkampf: Mein rotes Herz steht knapp vor dem Infarkt - mein grünes Hirn signalisiert: stop! - eine schwarze Seele hatte ich noch nie - und an ein blaues Wunder glaube ich schon gar nicht! Also: Wen soll ich wählen? Die roten Genossen, die den gewerkschaftlichen Multifunktionären wieder ihre Abgeordneten-Pfründen zurückgeben wollen? Die grünen Glücksritter, die auf ihr Kerngeschäft vergessen und auf einmal für die “umweltschonende” Atomkraft eintreten? Die scheinheiligen schwarzen Brüder, die vor allem eines gut können, in die eigene Tasche zu wirtschaften? Oder die blau/orangen Krakeler, die sich als Sammelbecken der Unzufriedenen anbieten, ohne etwas anderes zu sein als dagegen? Ich darf unseren Wiener Dichter Josef Weinheber zitieren: “Wenn i was z’reden hätt’, vastehst, ich schoffat ollas o…” Was ich mir für die bevorstehende Wahl wünsche? Noch mehr Kleinparteien und Namenslisten! Die haben gute Chancen. Die Stimme einer Splittergruppe zu geben, ist besser, als gar nicht zur Wahl zu gehen! Auch wenn einem danach zumute ist.

Pflegenotstand

Juli 20, 2008 by schmecks

Manchmal hat der Mensch Glück. Unverschämtes Glück sogar. Dann stellst du mit unendlicher Dankbarkeit im Herzen fest: Das ist noch einmal gut gegangen. Doch zurück bleibt ein dumpfes Gefühl der Angst.

Du weißt genau, du bewegst dich auf dünnem Eis. Was wäre wenn? Wenn dich der Boden nicht mehr trägt? Wenn du einbrichst und in einem schwarzen Loch versinkst? Soll man an dieses Horrorszenario denken, wenn man gerade noch einmal mit heiler Haut davongekommen ist? Ja, man soll. Gerade dann. Denn es gibt genug andere, die nicht so gut dran sind.

Eine kurzfristig angesetzte Operation. Es hört sich nicht gut an. Gerade noch rechtzeitig entdeckt. Und hinterher? „Sie werden etwa zwei Monate lang  Ihre Arme kaum benützen können.“ Der Chirurg weiß, wovon er spricht. Nichts heben, nichts tragen, die einfachsten Verrichtungen werden zum unlösbaren Problem. Körperpflege, Ankleiden, Kaffeekochen – alles selbstverständlich?

Entlassungsmanagement

Ich lebe allein. Meine Bleibe ist ein kleines Gartenhaus in Niederösterreich. Sehr romantisch, aber  alles andere als behindertengerecht. In Wien funktioniert das – die Nachsorge nach einem Spitalsaufenthalt.  Angeblich. Zumindest wenn man den Werbeschriften  der Krankenkasse Glauben schenken kann. Da wird seit neuestem das sogenannte „Entlassungsmanagement“ angepriesen: Kein Patient wird aus einem Wiener Spital entlassen, ohne dass für seine Betreuung und Pflege zu Hause vorgesorgt wird.

Wahr oder nicht wahr – es ist jedenfalls eine gute Idee. Auch junge, kräftige Menschen können durch eine schwere Krankheit vorübergehend zu einem körperlichen Wrack werden. Die Akutbetten in den Spitälern sind teuer. Die moderne Medizin macht es möglich, Patienten auch nach schweren  Operationen wenige Tage danach  schon „in häusliche Pflege“ zu entlassen.

Für Frauen selbstverständlich

Häusliche Pflege – was ist das? Normalerweise Mütter, Töchter, Schwestern, Großmütter oder - soll sein - die Urstrumpftante. Frauen sind bekanntlich nie gefragt worden, wie sie mit außergewöhnlichen Belastungen fertig werden. Was es auch ist: Frauen stehen ihren Mann. Doch wenn die Frau betroffen ist?  Sie muss nicht einmal allein leben, so wie ich. Wenn ich mir vorstelle, wie früher etwa,  der Papi und die lieben Söhne als Krankenpfleger? Selbst wenn sie guten Willens sein sollten, ohne Profihilfe klappt das kaum.

Professionelle Pflege auf Zeit

Profihilfe – das ist das Stichwort. Professionelle Pflege auf Zeit – gibt es das überhaupt? Beim derzeit heißt diskutieren „Pflegenotstand“ geht es nur um die 24-Stundenpflege alter Menschen. Also um eine Dauereinrichtung bis zum Lebensende. Das ist sicher ein ernstes Problem. Denn alt werden wir alle. Und leider oft auch hilflos und pflegebedürftig. Diese Dauerpflege kostet Geld. Viel Geld – Geld, das oft nicht vorhanden ist.

Daneben gibt es aber auch noch den Bedarf an temporärer Betreuung. Unfälle, Operationen, Krankheiten, nach denen man wieder gesund wird - hoffentlich. Trotzdem ist in solchen Extremsituationen Hilfe nötig. Rasch, effizient und unbürokratisch. Wie gesagt: Nicht auszumalen, wenn ich nicht solches unverschämtes Glück im Unglück gehabt hätte. Ich hatte exakt eine Woche Zeit, um meine Pflege für die Zeit nach dem Spitalsaufenthalt zu organisieren. Mit Telefon und Internet muss sowas doch möglich sein.

Ohne Pflegestufe keine Pflege

Drei Organisationen bieten ihre Dienste an: Die Caritas, das NÖ Hilfswerk und die Volkshilfe. Die Caritas im Raum Bruck/Leitha scheidet aus: Hier kümmert man sich nur um psychiatrische Fälle. Beim NÖ Hilfswerk in Hainburg kommt die Antwort schnell und präzise: Ohne amtlich zuerkannte Pflegestufe keine Pflege. Also schnellstens zum Amtsarzt,  die Pflegestufe festlegen, denn das dauert seine Zeit. Aber bitte nicht hingehen, wenn man gesund ist, denn sonst bekommt man nichts bewilligt.

Ich versuche, der freundlichen Dame zu erklären, dass ich nicht hoffe, zu einem amtlich etikettieren Pflegefall zu werden. Ich hätte  lediglich eine sehr schwere Operation vor mir und würde hinterher etwa zwei Monate lang Hilfe brauchen.  Temporäre Hilfe, bis ich mein Leben wieder allein im Griff habe. Ich wäre natürlich auch bereit, dafür entsprechend zu bezahlen. Hauptsache, diese Übergangspflege klappt.

Ein klares Anliegen? Für mich vielleicht, nicht aber für die freundlichen Hilfe-Vermittler. Die Auskunft: Eine Stunde kostet 38,40 Euro, doch ich bekomme trotzdem keine Pflegekraft, selbst wenn ich diese stolze Summe aus eigener Tasche berappe, denn ohne amtsärztliche Anordnung läuft rein gar nichts. Wie gesagt:  Keine Pflegestufe – keine Pflege.

Organisation als Selbstzweck

Bei der Volkshilfe sind mit meinem Anliegen gleich mehrere Stellen beschäftigt: Die Regionalleitung in Wiener Neustadt, die Bereichsleitung Schwechat und die für die Pflege zuständige Schwester in Bruck an der Leitha. Sie ist die Letzte in der Kette. Sie kann mich nicht weiterreichen. Also bleibt es an ihr hängen, mir die unangenehme Wahrheit mitzuteilen: Es ist Urlaubszeit, und es ist keiner da. Doch freundlicherweise  setzt sie mich auf die Warteliste. Im Oktober vielleicht… Pech. Es muss im Juli sein.

Keine Ahnung, wie es weitergeht

Es ist schon ein verdammt mulmiges Gefühl, ins Spital  „zum Schlachten“ einzurücken und nicht zu wissen, wie die Sache hinterher weitergeht. Erstes Blinzeln nach der Narkose im Aufwachraum. Erstes vorsichtiges Tasten nach dem Verband. Und dann die Erleichterung: Es ist nur ein kleiner Schnitt. Es ist mit der Minimalvariante gegangen. Der Brustkorb musste nicht geöffnet werden. Also keine Bewegungseinschränkung, nur die übliche Schonung nach einer solchen Operation.

Doch die Frage bleibt: Was wäre gewesen, wenn…  Was wird sein, wenn die tückische Krankheit nochmals zuschlägt. Ein Abonnement auf’s Glück gibt es nicht. Und einen Rechtsanspruch darauf schon gar nicht.

Ein tröstlicher Anruf

Da liege ich in meinem frisch bezogenen Spitalsbett, freue mich über die freundlichen Pflegerinnen – es sind auch einige Burschen dabei – freue mich über die schöne Aussicht auf die Dächer von Wien, die sich wie ein Teppich unter dem Fenster ausbreiten – freue mich über den lauwarmen Tee und das herrliche Gefühl: Das Leben hat mich wieder. Da kommt dieser Anruf auf’s Handy. Die Volkshilfe. Ich soll nicht glauben, dass sie auf mich vergessen hätten. Aber leider…

 

 

Der Schrei nach der Kreativität

Juni 30, 2008 by schmecks

SAG MIR, WO DIE DENKER SIND

Über Kreativität wird viel gesprochen - vor allem dann, wenn man feststellen muss, dass sie fehlt. Welchen Stellenwert hat die Kreativität in unserer modernen Arbeitswelt? Ist das ein Luxusbedürfnis? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine kritische Analyse von Elisabeth Pühringer.

Eines der Bücher, die mich besonders berührt haben, war das kürzlich neu erschienene Gedenkbuch für den im Sommer 2006 in Wien verstorbenen amerikanischen “Kreativitätspapst” Frederick Mayer. “Schöpferische Expansion” heißt dieses Werk, herausgegeben von Alice Strigl. (Böhlau Verlag). Es geht im Untertitel der Frage nach: “Können wir kreativer, sensibler, wacher werden?”

Ich habe Professor Mayer nicht mehr persönlich kennen gelernt. Ich habe nur einmal kurz vor seinem Tod mit ihm telefoniert. Der Rat, den er mir damals mitgegeben hat, war charakteristisch für ihn und seine Art, mit anderen Menschen umzugehen. “Machen Sie weiter so!” sagte er in bezug auf meine wissenschaftliche Arbeit. “Es imponiert mir sehr, was Sie tun und vor allem, wie Sie es tun.” Das war typisch Frederick Mayer: Er schaffte es immer wieder, andere Menschen mit ein paar positiven Worten zu ermutigen.

Ganz anders wird in der normalen Arbeitswelt mit dem kreativen Potential der Menschen umgegangen. Oft bedeutet “kreativ zu sein” außerhalb der Norm zu stehen. Kreative Berufe sind in Zeiten von Sparmaßnahmen immer die ersten Bereiche, wo der Rotstift angesetzt wird. Läßt sich Kreativität in einen 8-Stunden-Tag und in eine 40-Stunden-Woche pressen? Sehr häufig kommt es im Alltag zu der klassischen Trennung: Hier Beruf und Geldverdienen und dort Freizeit, Hobby und Kreativität.

Mehr zu diesem aktuellen Thema bringt eine kritische Analyse, die auf  www.pühringers.info  abrufbar ist.

Arbeitswelt:
Der Schrei nach der Kreativität
Sag mir, wo die Denker sind
von Elisabeth Pühringer

www.schmecks.eu

Römer Pampers

Juni 21, 2008 by schmecks

Römerfest in Carnuntum

Was jeder PR-Fachmann weiß: Erfolg ist messbar
Die Maßeinheit für das Maß des Erfolges heißt RP
RP - das ist eine neue Bewertungseinheit für PR
RP - das ist die Abkürzung von „Römer-Pampers“

1 RP ist die PR- Basiseinheit

Es handelt sich um etwas, das sich mit Hilfe der Erfahrung eines Fachmanns als Erfolg verkaufen lässt. Ein Beispiel dafür ist das alljährliche Römerfest von Carnuntum, von dem das Foto für das Logo der neuen Maßeinheit Römer Pampers stammt. Die Besucher kamen, zahlten brav 8 Euro Eintritt pro Nase und sahen dem bunten römischen Jahrmarkttreiben zu. Fazit: Die Kasse stimmt am Ende des Tages, die Veranstalter sind zufrieden, die Medien berichten brav, also ein Erfolg.
Bewertung: 1 RP

2 RP - Steigerungsstufe 2

Die Veranstaltung hat Eventcharakter, lässt sich gerade noch als Erfolg verkaufen, macht aber bereits Schwierigkeiten beim Hochjubeln und erfordert daher einen Spezialisten. Auch dafür ein Beispiel: Niederösterreichs Kulturlandesrätin Petra Bohuslav beim PR-Luxus-Römer-Menu in der neuen Villa Urbana in Carnuntum. Hinz und Kunz darf zwar hier auch auf Römerart futtern, allerdings kostet das Vergnügen satte 95 Euro.
Bewertung: 2 RP

3 RP - Steigerungsstufe 3

Bingo! Volltreffer! Das ist voll in die Hose gegangen! Diese höchste Steigerungsstufe ist der Gipfel, der nicht überboten werden kann. Auch dazu dient Caruntum als Beispiel. Brot und Spiele – das ist seit der Antike ein Erfolgsgeheimnis. Carnuntum macht es vor: Möglich, dass die Kasse klingelt, möglich, dass die Adabeis einen neuen Promi-Treffpunkt haben, aber unmöglich, dass man mit solchen Aktionen der Archäologie einen Dienst erweist – es sei denn einen echten Bärendienst.
Bewertung: 3 RP