Wenn man den Direktoren der fünf staatlichen Kunstsammlungen in Wien beim Lamentieren zuhört, hat man den Eindruck, bei der angepeilten Museumsreform geht es nur um Gemälde – vor allem um solche, die sie aus Geldmangel für ihre Sammlungen nicht ankaufen können. Und um die –offenbar spärlich gesäten – neuen Ideen für Sonderausstellungen. Welche Bilder wohin gehören. Wer wem was nachgemacht hat. Wer wem welche Ausstellung „abgestochen“ hat. Usw. Dass es neben diesem Aspekt zum Thema Museum noch andere Fragen gibt, die dringend erörtert werden wollen, scheint niemand wirklich aufzufallen.
Punkt1: Freier Eintritt
Man hätte im Prinzip nichts dagegen, nur wer zahlt den finanziellen Schaden an entgangenen Eintrittsgeldern? Ganz ein schlauer Vorschlag: Zählung der Besucherströme bei freiem Eintritt, daraus wird der Verdienstentgang berechnet. Und aus dem Steuertopf berappt. Bei freiem Eintritt kommen sicher mehr Leute, macht unterm Strich ein ordentliches Körberlgeld gegenüber den jetzigen tatsächlichen Einnahmen. Das zu bezahlen, dafür fehlt der stets gern zitierte „politische Wille.“ Beispiele aus anderen Ländern gefällig? Soll sein, aber nicht bei uns.
Meine persönliche Anmerkung dazu: Zum Glück haben die politischen Entscheidungsträger in meiner Kindheit und Jugendzeit anders gedacht. Da war der Eintritt in die staatlichen Museen jeden Sonntag frei – ein Umstand, dem ich meine kulturelle Prägung verdanke. Hätte es etwas gekostet, wären meine Eltern mit uns Kindern sicherlich nicht jeden Sonntag in ein Museum gegangen. Eine Familie mit knappem Budget muss es sich ganz genau überlegen, wofür sie ihr Geld ausgibt.
Punkt 2: Neuorganisation
Wien steht zwar auf einem sehr geschichtsträchtigen Boden, hat aber - im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Großstädten – kein eigenes Archäologisches Museum. Die einschlägigen Sammlungen sind auf verschiedene Museen aufgeteilt: Die Prähistorische Sammlung mit den weltweit einzigartigen Exponaten über Österreichs kulturelle Wurzeln, wie etwa die Hallstatt-Kultur, befindet sich im Naturhistorischen Museum. Wer wissen will, was sich etwa zeitgleich dazu in Italien abgespielt hat, darf ins Kunsthistorische Museum gehen, denn dort befindet sich der archäologische Nachlass der Etrusker. Wen der Vergleich mit anderen alten Kulturen dieser Welt interessiert, hat dazu im Völkerkunde-Museum Gelegenheit. Oder aber, er geht ins Ephesos-Museum.
Wäre es nicht wirklich an der Zeit, in einer so traditionsbewussten Stadt wie Wien ein eigenes Archäologisches Museum zu schaffen? Die Antwort auf so eine „Zumutung“– sie stammt von der Internet-Seite des Kunsthistorischen Museums – lässt nicht lange auf sich warten:
„Eine inhaltliche Neuorientierung der Bundesmuseen und ihrer Sammlungen ist nicht erforderlich…“
Klar! Wer lässt sich schon gerne was wegnehmen! Noch dazu, wo im Kunsthistorischen neben der zitierten Etruskischen Sammlung noch andere archäologische Schätze lagern, wie etwa der frühgeschichtliche Fund von Nagyszentmiklos und andere Silberschätze dieser Epoche. Ganz zu schweigen von der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung und der Antikensammlung. Ein neu geschaffenes Archäologisches Museum in Wien müsste sich bestimmt nicht über mangelnde Attraktivität beklagen.
Schlagworte: Archäologie, Kultur, Kunst, Museum, Politik