Das Internet ist ein demokratisches Medium. Das entdeckte man auch im österreichischen Unterrichtsministerium, das für die Bundesmuseen zuständig ist. Für die geplante Museumsreform wurde daher ein eigenes ministerielles Diskussionsforum eröffnet. Wird die Biertisch-Diskussion von einst also zur Internet-Demokratie? Wie ernst nimmt man in der “Chefetage” Volkes Meinung? Ich habe mich nicht nur unter die Blogger gemischt sondern auch unter die amtlichen Diskutierer auf der Ministeriumsseite.
„Was wollen Sie eigentlich?“ fragte meine Gesprächspartnerin, nachdem sie meine beiden Stellungnahmen zur Museumsdiskussion auf der Internetseite des Unterrichtsministeriums gelesen hatte. Sie hat recht. Was will ich? Museumsdirektorin werden? Oder was? Nur meckern? Den eigenen Senf dazugeben? Wozu die Mühe?
Scheindemokratie oder Mitbestimmung?
Das Internet ist eine moderne Facette der klassischen Scheindemokratie. Es vermittelt dem Bürger das Gefühl, mitreden zu dürfen. Effizienter als der Stammtisch. Jeder kann es lesen. Man zeigt von offizieller Seite seinen guten Willen, öffentlich dokumentiert. Beweisbar. Und auf Knopfdruck ist alles wieder weg. Und kein Hahn kräht mehr danach. Und alles bleibt, wie gehabt.
Wozu also? Ich habe mich über das Thesenpapier eines Grün-Politikers auf der Ministeriumsseite geärgert. Er darf gackern. Ich muss ruhig sein. Er hat den Rückhalt durch seine Partei. Die Macht einer Organisation. Er ist wer. Auf der Politwelle nach oben gespült worden. Man hört ihm zu.
Grüne Schnapsideen im Museum
Der neunmalkluge Politiker hat die Möglichkeit, jederzeit seine Meinung zum Besten zu geben. Ich nicht. Er steht im Rampenlicht. Ich bin das Publikum. Ein privater Zaungast. Ein Teil der von der Regierung verwalteten „breiten Masse“. Doch sachlich falsche Behauptungen werden dadurch nicht richtiger, wenn man sie nur laut genug hinaus posaunt. Deshalb freue ich mich über diese ministerielle Internetplattform. Deshalb nütze ich sie.
Gut, da hätte ich also meine Meinung formuliert. Irgendwer dürfte sie sogar gelesen haben. Das beanstandete grüne „Thesenpapier“ ist nämlich sang- und klanglos aus dem Netz verschwunden. Schon peinlich, wenn da jemand den Fachmann heraushängen lässt, ohne viel von der Sache selbst zu verstehen.
Zurück zum aktiven Mitgestalten
Zurück zu der Frage meiner Bekannten: „Was wollen Sie eigentlich?“ Warte ich darauf, dass mich jemand zurückholt auf die Bühne des Lebens? Will ich wieder aktiv mitspielen? Oder bin ich mit dem Wiederkäuen meiner Erinnerungen glücklich und zufrieden? Etwa so, wie vor knapp zwei Jahrtausenden der alternde römische Kaiser Marc Aurel, der es sich nach harten Kämpfen bei uns in Carnuntum gemütlich machte. Angesichts möglicher Mühen der Tagespolitik verkündete er gelassen: “Wer seine Erinnerungen genießt, lebt zweimal”.
Auch ich habe mich in die Region Carnuntum zurückgezogen, lebe hier wie ein römischer Kaiser und pflege mein Altershobby, meine Internetseite “Altershobbypublikationen”.
www.altershobbypublikationen.at
Worum es bei der Museumsreform unter anderem geht, das steht in meinen Altershobbypublikationen in dem online-magazin “mitdenken - mitreden” und unter “Dialog im Museum”. Ansonsten bin ich schon gespannt, wie es mit dem ministeriellen Denkmodell Basisdemokratie in der Museumswelt weitergeht. Hier ist der link dazu:
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