Wo ist Wiesmath? Das klingt so idyllisch. Nach Wiesen und Matten. Nach grüner Natur und Frieden. Ein Blick in die Straßenkarte: Die Südstrecke runter nach Wiener Neustadt, Autobahn, Schnellstraße ins Burgenland. Ein Blick in die Zeitung: „Hundebesitzerin klagt Jäger an: Dogge kaltblütig abgeknallt“ – Nein, weit ist es nicht her mit den Wiesen, Matten, der grüner Natur und dem Frieden. Nicht nur in Wiesmath.
Mitte September – die heurige Jagdsaison ist eröffnet. Liebe Leute, sperrt eure Hunde ein! Jetzt wird es gefährlich! Auch wenn ich nicht alles glaube, was die Presse so zum Besten gibt, aber Hunde abknallen, weil sie angeblich Rehe hetzen? Gegenfrage: Was machen die Jäger mit den Rehen? Erraten: Abknallen. So sich die ihres ursprünglichen Lebensraumes beraubten Wildtiere nicht auf Straßen verirren und – vom Scheinwerferlicht geblendet – für einen „Wildschaden“ sorgen…
Als Ergänzung dazu eine Meldung aus den sonntäglichen Fernseh-Nachrichten: Ein Jäger hielt ein Auto für ein Wildschwein und schoss. Zum Glück hat er den Fahrer nicht erwischt, der hatte nämlich eine Panne und war ausgestiegen. So war nur die Autotür durchschossen. Nein, das war nicht der Wochenendkrimi im Fernsehen sondern der ganz normale Alltagswahnsinn.
Ohne mich mit den „edlen Waidmännern“ nochmals anzulegen – nein danke, das hatte ich schon, ich bin nämlich auch Hundebesitzerin und lebe „am Land“: Mein Hund war bereits einmal ein „bewegtes Ziel“ und ich das Ziel von unflätigen Schimpfkanonaden. Aber die Frage wird doch erlaubt sein: Welchen Stellenwert hat die Jagd in einer ursprünglich ländlichen Region, die immer mehr mit den städtischen Ballungsräumen zusammenwächst? Jagdgebiete dort, wo heute neue Lebensräume für Menschen entstehen?
Leistungsstarke Verkehrswege, schnelle Autos, wachsende Siedlungstätigkeit, dazwischen schrumpfende Grünzonen. Und eine Gruppe von Menschen, die sich mit einem Schießprügel in der Hand für eine Elite hält und das Erbe der Feudalherren seligen Angedenkens aufrecht erhalten will: Das Jagdrecht, das jedem Grundherrn traditionsgemäß zusteht. Darüber sollten wir sprechen. Ganz prinzipiell und möglichst ohne Emotionen. So das angesichts solcher Situationen möglich ist.
Denn „Schmecks!“ – das ist keine Antwort!
Schlagworte: Burgenland, Feudalherren, Hunde, Jagd, Jagdgenossenschaften, Jagdrecht, Niederösterreich, Rehe, Schmecks, Tierschutz, Wildschaden