Broken Heart oder Herzinfarkt?

By schmecks

 

An gebrochenem Herzen starben zu Zeiten von  Hedwig Courts-Mahler verlassene Mägdelein, nachdem der Herzallerliebste sich standesgemäß verheiratet hatte. Gebrochene Herzen traten bei  versetzten und  gedemütigten Ehefrauen auf, während der untreue Ex auf was Jüngeres umgestiegen ist. Weitere Kandidatinnen für ein gebrochenes Herz waren reife Damen, die einem geschäftstüchtigen Gigolo auf den Leim gegangen waren.

 

Eines war klar: An gebrochenem Herzen zu sterben war eine Frauenkrankheit. Dank dem Fortschritt der Medizin – und vor allem Dank der weiblichen Emanzipation – verschwand diese ominöse Krankheit. Und selbst die Herz-Schmerz-Autoren dachten sich andere Lösungen aus, als arme,  hintergangene  Frauen an gebrochenem Herzen sterben zu lassen. Denn das kauften ihnen nicht einmal mehr die treuesten Konsumenten von Telenovelas ab.

 

Mit einem Wort: Das gebrochene Herz hat im modernen Leben ausgedient. Doch siehe da: Auf einmal ist es wieder da, das überholt geglaubte “gebrochene Herz“. Mit dem „Broken-Heart-Symdrom“ feiert es fröhliche Urständ – streng wissenschaftlich untermauert. Und selbst die Zielgruppe, die heutzutage von dieser neuen Herzkrankheit befallen wird, ist mit den Gebrochenen-Herz-Opfern vergangener Tage ident: Es sind vor allem nicht mehr ganz taufrische Frauen.

 

Das moderne „Broken-Heart-Syndrom“ hat noch einen anderen Namen: Tako Tsubo. Ganz offensichtlich hat diesen Namen ein japanischer Forscher ausgewählt, denn die Namensgebung steht bekanntlich dem zu, der eine Krankheit entdeckt. Diese neuartige Herzkrankheit macht dieselben Symptome wie ein Herzinfarkt und sieht auch im EKG und beim Ultraschall genauso aus. Einziger Unterschied: Es ist kein Blutgefäß verstopft. Trotzdem wird ein Teil des Herzens nicht mehr mit Blut versorgt und bläht sich ballonartig auf.

 

Wo kommt das her? Was ist schuld daran? Und wie wird man das Übel wieder los? Zahlenmaterial gibt es vorläufig noch wenig. Denn erst durch die präzisen Untersuchungsmethoden war es überhaupt möglich, diese Erkrankungsform von der Gruppe der Herzinfarkte abzugrenzen. Das macht die Forschungsarbeit schwierig.  Vielleicht ist die Sache gar nicht so neu, und man hat sie bloß nicht erkannt? Hatte die Courts-Mahler doch recht? Bei ihr war ein gebrochenes Herz an der Tagesordnung.

 

Auch bei den möglichen Krankheitsursachen macht man bei den Herz-Schmerz-Geschichten früherer Tage Anleihen. Da vor allem Frauen in der Lebensmitte von der Krankheit betroffen sind, drängt sich – in der  männlichen Sicht der Dinge – der Verdacht auf, die Opfer hätten sich über irgendwas besonders aufgeregt oder sich gekränkt. Und schon ist der Ball bei den Psychologen. Ist die Sache vielleicht doch nicht ganz so ernst wie ein „normaler“ Herzinfarkt?

 

Für uns medizinische Laien klingt „Tako Tsubo“ wie „gedoppelt und gemoppelt“ oder wie eine aktualisierte Form des „Boing-Zisch-Machers“. In Wien hat man für so was den markigen Ausdruck „Schaß mit Quasteln.“ Kommentar: Man muss sich halt von Zeit zu Zeit etwas Neues einfallen lassen, damit man im Gespräch bleibt. Und sei’s ein Tako Tsubo oder Broken Heart Syndrom. Auf alle Fälle ist die Sache äußerst verdächtig. Denkmodell: Des Kaisers neue Kleider. Also besser Hände weg davon.

 

So etwas Ähnliches müssen sich die Krankenkassa-Chefärzte  offenbar auch gedacht haben, als sie vom Wiener AKH einen dringenden Antrag auf Herz-Reha gefaxt bekamen. Diagnose: Tako Tsubo. Gefahr im Verzug. Herzinfarkt-Patienten werden sofort vom Spitalsbett weg mit der Rettung in die Reha-Klinik gebracht. Und im aktuellen Fall? Zuerst zwei Monate liegen lassen, vielleicht erledigt sich die Sache von allein. Doch nicht? Dann soll ein praktischer Arzt als Gutachter darüber urteilen, was der Herr Professor sich da ausgedacht hat.

 

 

 

 

 

 

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